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6. März 2015 - Zufällig finde ich im Informationsdienst ESEL die Ankündigung der Eröffnung einer Aktionismus-Ausstellung im Museum Moderner Kunst (Mumok). Vor dem Eingang steht schon eine Schlange. Die Leute warten geduldig auf ihr Hakerl in der Anmeldeliste. Ich bin nicht angemeldet und stelle mich wahrheitsgetreu mit meinem Vornamen vor. Hubert mit stummen T. Die Empfangsdame fragt: Huber Andreas oder Michael? Ich entscheide mich für Andreas. Ich wollte immer schon einmal Andreas heißen.

 

Zur Eröffnung spricht die wiedergewählte Direktorin KK. Sie betet die Namen runter, die sich als Aktionisten Lorbeeren verdient haben, sie betet die Namen runter, die die Aktionisten gefördert haben, sie betet die Namen runter, die schon vor ihrer Zeit für das Mumok Werke von Aktionisten angekauft haben, namentlich Edelbert Köb, sie betet die Namen runter, die dem Museum Aktionsvideos geschenkt oder aufgedrängt haben, sie betet die Namen runter, die die Ausstellung kuratiert haben, sie betet die Namen runter, die die Projektoren installiert haben, sie betet die Namen runter, die die Presse informiert haben, sie betet die Namen runter, die das Buffet finanziert haben. Alles in allem so viele Namen wie in etwa Besucher der Ausstellung.

 

KK beweist, dass man den intellektuellen Nullpunkt noch unterbieten kann. Damit, ja, genau damit verdient ihre Ansprache Moody´s Triple A Rating: affirmativ, anbiedernd, anspruchslos. Der Vollständigkeit halber darf hier nicht unerwähnt bleiben, dass KK zu ihrem Auftritt auch zwei Pointen mitgebracht hat. Die zwei Pointen ihres Auftritts blieben von den meisten Besuchern unbemerkt. Nur aufmerksame Zuhörer konnten sie bemerken: es waren die Spitzen ihrer High Heels. Die waren echt steil!

 

Kann das alles gewesen sein? Darf das alles wahr sein? Obwohl ich selbst dabei war, kann ich es bis heute nicht glauben, aber jedes Wort dieser Satire entspricht den Fakten. Auch der Titel der Satire, der allerdings noch zu präzisieren wäre: Edelbert Köb spricht mit mir im Mumok über die Kunstmarkt-Formel.

 

Tatsache ist, dass Köb die Kunstmarkt-Formel gelesen hat. Ich selbst hab ihm das Buch zugesandt und ein Kontaktmann vermittelte mir ein erstes Feedback des ehemaligen Direktors des Mumok. Quintessenz dieser vertraulichen Information: eine Diskussion mit Köb sei nicht möglich. Nun also wollte ich mir die Chance, Köbs Meinung unvermittelt zu hören, nicht entgehen lassen. Und Köb kam auch gleich direkt zur Sache: „Es gibt einen Konsens, dass wir nicht über Qualität von Kunst sprechen.“ Punkt. „Wir“, das sind mit den Worten Dieter Rontes „die Insider“. Die Begründung Köbs für diese Diskurs-Verweigerung: „Wir sind weltweit eine kleine Minderheit und müssen solidarisch zusammen halten.“ Diskurs-Verweigerung als Schutzverhalten. Die Insider als geschlossene Schutzgmeinschaft gegen den Rest der Welt.

 

Köb deutet an, dass er selbst bei manchen Ausstellungen (auch neueren Ausstellungen im Mumok) die Qualität der Werke nicht mehr nachvollziehen könne. Er deutet an, dass er selbst an der Ausarbeitung von Qualitätsmaßstäben arbeite und lässt mich wissen, dass er noch nicht wisse, ob diese jemals publiziert würden. Unser Gespräch unterbricht ein Freund Köbs, der offenbar verspätet zur Eröffnung eingetroffen ist. „Jetzt hast du die Lobhudelei versäumt“, sagt Köb zur Begrüßung seines Freundes ironisch aber wahrheitsgetreu.

 

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