Warum Lovo.cc in Konkurs gegangen ist

 

Wien, 8. Juli 2009 -Nun ist also amtlich, was für mich schon vor einem Jahr absehbar war: die Lovo Lifstyle GmbH ist in Konkurs (Details siehe: http://www.boerse-express.com/pages/790789 ). Im Januar 2008 bekam ich von Geschäftsführer Roland Fleischhacker das verlockende Angebot, die PR-Aktivitäten für Lovo.cc zu übernehmen. Ich startete im Februar und stieg Ende Mai wieder aus. Der Grund: eine durchaus innovative Geschäftsidee, die aber so umgesetzt wurde, dass sie haarscharf an den Kundenbedürfnissen vorbei zielte.

Die Grundidee von Lovo.cc: ein Reiseführer, der dem User an jedem Ort Österreichs genau die Infos aufs Handy liefert, die seinen Bedürfnissen entsprechen. Technisch durchaus raffiniert kann der User sein Profil auf Lovo.cc speichern. Wenn er dann beispielsweise in Klagenfurt landet kann er eine SMS an den Lovo.cc-Server senden und der Server antwortet mit einer SMS, die dem User genau die Tipps für Restaurants, Sightseeing, Kultur und Sport liefert, die seinen Wünschen entsprechen. Soweit die Theorie.

In der Praxis steht und fällt dieses Projekt mit der Tiefe und Breite des Content-Angebots, d.h. mit der Zielgenauigkeit der Suchergebnisse. Wenn mich meine Suche nach Kultur-Highlights in Klagenfurt zum Büchsenmachermuseum in Ferlach oder zum Bienen-Erlebnis-Museum in Kirschentheuer führt, so ist das sicher einzigartig, aber nicht das, was ich gesucht habe. Und das empfohlene Canyoning in der Tscheppaschlucht entspricht auch nicht ganz meinem Profil! So macht man Kunden nicht zu zufriedenen Kunden. Frustrieren lässt sich der Kunde aber nur zweimal: einmal und nie wieder!

Geschäftsführer Fleischhacker war besonders stolz darauf, dass der Content auf Lovo.cc handverlesen ist, sich qualitativ von allen anderen Suchergebnissen im Internet abhebt und quantitativ umfangreicher ist als Gault Millau. Nicht verstanden hat Fleischhacker die dialektische Internet-Formel, dass Quantität in Qualität umschlägt. Ich kann einem Internet-User keine „Erlebnis-Suchmaschine“ verkaufen, die nur findet, was ein paar Redakteure „handverlesen“ eingegeben haben. Man stelle sich vor, bei Google sitzen Redakteure, die den gesamten Inhalt des Internets redaktionell bearbeiten und nur jene Inhalte ausliefern, die „hochwertig“ sind.

Aktueller Stand (8. Juli 2009) sind 1.042 Gastronomie-Angebote, 905 Freizeitangebote (Sport und Kultur!) und 431 Shopping-Tipps – das alles bei ca. 2.000 Gemeinden Österreichs! Lovo.cc hat es nicht geschafft, das was im Internet schon längst verfügbar ist, intelligent über die mobile „Erlebnis-Suchmaschine“ bereit zu stellen. Meine Empfehlung, die Content-Strategie komplett zu ändern, ist bei Geschäftsführer Fleischhacker leider auf taube Ohren gestoßen. Seine Entscheidung, weiter zu machen wie bisher, hat nun zum logischen Konkurs geführt.