logo

bild

(29. Januar 2007) “Kunst als Kapitalanlage" ist sicher das meistbefußnotete Buch, das ich je gelesen habe - Eric M. Bernhard bringt es bei 280 Seiten auf 1110 Fußnoten. Aber dies ist wohl der Tribut, den man zur Erlangung akademischer Weihen zu entrichten hat. Dr. Eric M. Bernhard promovierte mit der vorliegenden Arbeit bei Prof. Dr. Dr. h.c. Dieter Biehl am Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Frankfurt/Main. Und so sind die ersten vier Teile des Buches eine Zitatensammlung, die dem Leser aber immerhin die eigene, zeitaufwändige Literaturrecherche erspart. Der wichtigste Teil des Buches findet sich erst in Kapitel V mit dem Thema: “Kunstmarktfonds als Verbindung zwischen Kunst-und Kapitalmärkten." Vorgestellt wird hier das Konzept eines Kunstfonds, den Banken gemeinsam mit Museen managen sollen. Damit soll auch künftig “die Ausstellung hochwertiger Kunstwerke in öffentlichen Museen als Dauerleihgaben des Fonds" sichergestellt werden.

 

Weiterfürhende Infos über Kunst als Krisenwährung, Kunst als Investment, Kunst als Alternative Währung bietet das Buch Die Kunstmarkt-Formel ISBN 978-3-7357-7052-3

 

Als Grundhypothese seines Buches postuliert Bernhard, “dass es Ineffizienzen an den Schnittstellen zwischen Kunst- und Kapitalmärkten gibt, durch deren Abbau auch der Kunstmarkt breiteren Bevölkerungsschichten als attraktive Finanzanlagemöglichkeit verfügbar gemacht werden kann" (S. 2). Wer Jahre oder Jahrzehnte im Kunstmarkt tätig war, kann von diesen Ineffizienzen ein Lied singen. Die akademische Sicht auf den “Kunstmarkt, Teilmärkte und Akteure" (Kapitel III) bringt zwar dem Marktteilnehmer wenig Neues, ist aber sicher ein guter Überblick für einen Finanzfachmann. Und diese Zielgruppe soll ja letztlich mit dem Buch angesprochen werden.

 

Bernhard sieht drei Teilmärkte, den Primärmarkt mit den Herstellern (Künstlern) und Galeristen, den Sekundärmarkt mit den Kunsthändlern, Auktionshäusern und Sammlern/Anlegern und einen Bereich “Jenseits der Märkte" mit den Kunstmuseen und dem Staat als Kunsterhalter. Der Künstler “sieht Kunst und Wirtschaft als Gegensätze, die einander behindern", zitiert Bernhard Birgit Voll (S. 25). Allerdings wäre es “irrig anzunehmen, dass ... es Künstlern nur um die holde Kunst und allenfalls noch um ein bisschen Ruhm ginge", zitiert Bernhard Willi Bongard (S. 25). “Galerien konstituieren zusammen mit den Künstlern den Primärmarkt für Kunst", zitiert Bernhard Ulrike Klein (S. 30). Dies führt oft zu einer folgenschweren Symbiose, denn “bei einem Galeriewechsel riskiert der Künstler den Verlust seiner primären Sammler", zitiert Bernhard Bonus/Ronte (S. 31). Der Investor soll – zumindest bei größeren Investitionen – einen unabhängigen Experten beiziehen, denn “Galeriepreise sind verhandelbar und liegen mindestens 10% über dem fairen Marktwert", zitiert Bernhard van de Walle (S. 35), ohne jedoch zu erklären, wie sich ein "fairer Marktwert" berechnet. Allerdings sei auch bei der Wahl des Experten Vorsicht geboten, denn “jeder kann sich Art Consultant nennen. Die Bezeichnung ist nicht geschützt", zitiert Bernhard Alexandra Kusitzky (S. 35). Soviel zum Primärmarkt.

 

Den Sekundärmarkt dominieren laut Bernhard die Auktionshäuser, die drei Quellen der Nachfrage bedienen: Kunsthändler, Museen und private Sammler. “Im Gegensatz zur New Yorker Börse ist der Kunstmarkt kein Markt, auf dem Tausende williger Käufer und Verkäufer tagtäglich aufeinander treffen. Tatsächlich kann der Unterschied zwischen einem Weltrekordpreis und einem Dumpingpreis von der Präsenz eines einzigen zusätzlichen Bieters bei der Auktion abhängen", zitiert Bernhard Stephen Lash (S. 84). “Informationsasymmetrien sind Hauptmerkmale des Marktes, und die Auktionshäuser .... ziehen Profit aus dem Wissen über die Zahlungsbereitschaft von Sammlern, welche sich für bestimmte Kunstwerke interessieren", zitiert Bernhard Lous-André Gérard-Varet (S. 85). Deshalb liegt es in der Verantwortung der Auktionshäuser, mit ihrem Informationsvorsprung für einen "fairen Schätzpreis" zu sorgen, wobei Bernhard das Zustandekommen eines "fairen Schätzpreises" durchaus plausibel aus der Wettbewerbssituation der Auktionshäuser erläutert.

 

Zahlreiche Quellen zitiert Bernhard auch im Kapitel IV, “Kunstwerke als Kapitalanlage". Viele der Quellen beziehen sich auf die Untersuchung von Gerald Reitlinger, der Transaktionen von insgesamt 800 Maleren im Zeitraum von 1780 bis 1960 analysiert hat. Dieser Zeitraum lässt allerdings wenige Rückschlüsse auf die Entwicklung der vergangenen 50 Jahre zu. "Die Tatsache, dass über den Zeitraum von drei Jahrhunderten die Wertsteigerungsraten von Gemälden gering sind, erlaubt keine Rückschlüsse auf kürzere Zeiträume, während derer die Wertsteigerungen weitaus größer sein können", zitiert Bernhard Gérard-Varet (S. 123). Insbesondere für sein Konzept des Kunstmarktfonds will Bernhard daher vorwiegend die Nachkriegszeit zur Prognose zukünftiger Renditen heranziehen.

 

Im Kaptel V widmet sich Bernhard schließlich den “Kunstmarktfonds als Verbindung zwischen Kunst- und Kapitalmärkten". Zwar gibt es schon Beispiele für geschlossene Kunstfonds, “ein breites Portfolio hochwertiger Werke, wie es dem Konzept des Kunstmarktfonds entspricht, sucht man jedoch in der Praxis bislang vergebens", moniert Bernhard (S. 186). Den Grund sieht er darin, dass das Management eines solchen Fonds Expertenwissen erfordere, das Finanzprofis in der Regel nicht mitbringen. “Um ein derart interdisziplinäres Projekt wie die Einführung eines Kunstmarktfonds in der Praxis durchzuführen, müssen Finanzinstitutionen und Kunstmuseen jedoch zur Kooperation bereit sein", ist für Bernhard die logische Konsequenz (S. 187). Wichtig für das Funktionieren des Fonds ist laut Bernhard, “dass der Handelspreis eines Fondsanteils seinem inneren Wert möglichst nahe kommt bzw. Im Idealfall diesen Wert exakt wiedergibt". Obwohl Bernhard an der Stelle Bewertungsansätze wie “Fortschreibung der Versicheurngswerte", “Historischer Datenvergleich" oder “Taxierung durch Kunstsachverständige" analysiert, bleibt die Frage nach der objektiven Bewertung des “inneren Wertes" letztlich unbeantwortet. Bernhard: “Die Diskussion der für Fondsinhalte eines Kunstmarktfonds grundsätzlich in Betracht kommenden Bewertungsmechanismen führt zum Ergebnis, dass eine sinnvolle Bewertung für die Kunstwerke in einem Kunstmarktfonds nicht losgelöst vom Geschehen am Kunstmarkt erfolgen darf." (S. 208). Das mag für einen Akademiker als neue Erkenntnis durchgehen, sollte aber auch für Bernhard eine Selbstverständlichkeit sein, zumal er auch im vorigen Kapitel schon festhält, dass der Kunstmarkt kein “vollkommener Markt" ist.

 

Das Fazit von Bernhard: “Die erste Haupterkenntnis des vorliegenden Buches besteht darin, dass der Kunstmarkt grundsätzlich attraktive Renditechancen für Kaptialanleger bietet. Seit dem beachtlichen Zeitraum von mehr als einem halben Jahrhundert stiegen die Preise am Kunstmarkt nahezu ununterbrochen, in den letzten 30 Jahren mit einer statistisch signifikant nachweisbaren durchschnittlichen Wertsteigerung von nominal jährlich 7,3%. Neben einer mittelfristigen Zyklizität von vierjähriger Dauer kann für diesen Zeitraum ein langer Zyklus von 10-17jähriger Dauer nachgewiesen werden, der von Zeiten mit stärkerem Wertzuwachs sowie Konsolidierungen entlang der langfristigen – nach wie vor intakten – Aufwärtstrendgeraden geprägt ist. Bei Anlage in qualitativ höherwertigen Werken ist sogar von einer überdurchschnittlichen Wertsteigerung auszugehen." (S.277) Und die zweite Haupterkenntnis Bernhards “besteht darin, dass der Kunstmarkt ein unvollständiger Markt ist, der – im Vergleich zu Kapitalmärkten – umfangreiche Ineffizienzen aufweist." Immerhin entwickelt Bernhard abschließen eine recht gewagte Vision: “Das Konzept des Kunstmarktfonds ... bestärkt die Entwicklung des Kunstmarktes in Richtung eines effizienten Marktes. .... Dies führt zu Effizienzsteigerungen einerseits an der Schnittstelle zwischen Kunst- und Kapitalmärkten, wo die Entstehung eines neuartigen Kunstfinanzierungsmarktes zu erwarten ist. Zum anderen werden die Veränderungen des Kunstmarktes selbst dargestellt, der sich – bedingt durch die zunehmende Kapitalisierung des Kunstmarktes – einen Schritt in Richtung eines vollkommenen Marktes entwickeln dürfte." (S. 279)

 

Eric M. Bernhard: Kunst als Kapitalanlage
Kunstmarktfonds als Verbindung zwischen Kunst- und Kapitalmärkten
Deutscher Universitätsverlag 2005
ISBN 3-8244-8322-X, Preis: 55, 90 Euro

 

 120 Lilia

Arbeitsgruppe

ETHIK